Gruppenbild von der Siegerehrung des Vereins inklusiv wohnen Köln

Auszeichnung für inklusives Wohnkonzept

Wegweisend und innovativ: Verein ermöglicht individuelles Wohnen für alle

Der Verein inklusiv wohnen Köln, Mitgliedsorganisation im Paritätischen NRW, hat beim DHG-Preis den mit 1.500 Euro dotierten ersten Preis gewonnen. Mit ihm zeichnet die Deutsche Heilpädagogische Gesellschaft (DHG) regelmäßig innovative Ansätze der Behindertenhilfe aus. Mit seinem inklusiven Wohnprojekt, in dem selbstbestimmtes Wohnen unter Einschluss auch von Menschen mit komplexem Unterstützungsbedarf erfolgreich umgesetzt wird, hat der Kölner Verein die Jury überzeugt.

Das inklusive Haus

In dem inklusiven Haus in Köln-Rodenkirchen leben etwa 30 Menschen im Alter von 3 bis 70 Jahren in einer Gemeinschaft, von denen etwa ein Drittel einen Hilfebedarf hat. Bei den meisten Wohnungen handelt es sich um geförderte Wohnungen, zum Teil sind es auch frei finanzierte Appartements. Das Herzstück des Wohnprojektes sind zwei inklusive Wohngemeinschaften. Hier leben jeweils fünf Menschen mit schweren Mehrfachbehinderungen und komplexem Hilfebedarf gemeinsam mit vier Studierenden selbstbestimmt und ambulant in den Wohngemeinschaften betreut.

Großer Gewinn für alle Bewohner*innen

Dieses innovative Konzept bietet für alle Bewohner*innen einen großen Gewinn: Menschen mit Behinderung haben die Möglichkeit, nach ihren individuellen Bedürfnissen in einer lebendigen Gemeinschaft zu leben. So haben die Gründer*innen beispielsweise gemeinsam mit ihren Kindern die Gestaltung der Innenräume der beiden Wohngemeinschaften in Workshops entwickelt. Dabei konnte jede*r Wünsche für das Leben im eigenen Zuhause äußern und sich einbringen. Die Studierenden können durch die Unterstützung ihrer Mitbewohner*innen mit Behinderung wertvolle Erfahrungen sammeln, haben einen gemeinsamen Haushalt mit ihnen und verbringen Freizeit zusammen. Nach dem Prinzip „Wohnen für Hilfe“ arbeiten die Studierenden im Tandem mit den pädagogischen Fachkräften stundenweise in ihren WGs als Assistent*innen mit. Im Gegenzug stehen ihnen kostenlose Wohnmöglichkeiten zur Verfügung.

Wegweisend für Inklusion im Wohnbereich

Das Projekt gilt als wegweisend für die Inklusion im Wohnbereich in NRW. Der Verein trägt seine Idee des inklusiven Wohnens als Multiplikator unter anderem als einer der Gründungsmitglieder und Kooperationspartner von der Plattform WOHN:SINN - Bündnis für inklusives Wohnen in ganz Deutschland weiter. Aus der Idee des Vereins für diese Wohnform sind bereits Projekte in mehreren Städten entstanden.

Beratung rund um innovative Wohnformen

Als Betreuungsanbieter im Haus berät der Verein auch Angehörige und Betroffene, Elterngruppen, Vereine und Verbände rund um innovative Wohnformen. Wichtig ist dabei immer, dass die Bewohner*innen mit ihren Wünschen und Bedürfnissen bei den Wohnkonzepten im Mittelpunkt stehen und dass auch immer Menschen mit komplexen Behinderungen dabei sind. Geschäftsführer*in Christiane Strohecker ist zudem Dozentin für „inklusives wohnen“ an der Paritätischen Akademie NRW.

Über den DHG-Preis

Mit dem DHG-Preis werden regelmäßig innovative Ansätze der Behindertenhilfe ausgezeichnet. In diesem Jahr hat die DHG vier Preise an Projekte für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen und komplexem Unterstützungsbedarf verliehen. Bei der Preisausschreibung wurde ein zentraler Grundsatz des Bundesteilhabegesetzes (BTHG) aufgegriffen: Wie kann Personenorientierung konkret werden? Ausgezeichnet wurden wegweisende Beispiele, in denen Unterstützungsmöglichkeiten nahe an den persönlichen Vorstellungen und gemeinsam mit den betroffenen Menschen mit Behinderung entwickelt werden.

 

 

Bild: ©Stephanie Broch